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BENEDIKT XVI.

REGINA CÆLI

Petersplatz
Sonntag, 22. Mai 2011

(Video)

  

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Evangelium des heutigen Sonntags, des fünften in der Osterzeit, stellt uns ein zweifaches Gebot des Glaubens vor: das Gebot des Glaubens an Gott und des Glaubens an Jesus. So sagt der Herr zu seinen Jüngern: »Glaubt an Gott, und glaubt an mich!« (Joh 14,1). Es sind dies keine getrennten Akte, sondern ein einziger Akt des Glaubens, die volle Zustimmung zum Heil, das Gottvater durch seinen eingeborenen Sohn gewirkt hat. Das Neue Testament hat der Unsichtbarkeit des Vaters ein Ende gesetzt. Gott hat sein Antlitz gezeigt, wie die Antwort Jesu an den Apostel Philippus bestätigt: »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen« (Joh 14,9). Der Sohn Gottes hat uns mit seiner Menschwerdung, seinem Tod und seiner Auferstehung von der Knechtschaft der Sünde befreit, um uns die Freiheit der Kinder Gottes zu schenken, und er hat uns das Antlitz Gottes erkennen lassen, der Liebe ist: Man kann Gott sehen, er ist sichtbar in Christus. Die hl. Teresa von Avila schreibt, daß »wir uns nicht von dem entfernen dürfen, der unser ganzes Heil und unsere Rettung ist – von der heiligsten Menschlichkeit unseres Herrn Jesus Christus« (Innere Burg 6,7). Nur wenn die Jünger, zu denen auch wir gehören, an Christus glauben und mit ihm vereint bleiben, können sie sein beständiges Wirken in der Geschichte fortsetzen. So sagt der Herr: »Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen« (Joh 14,12).

Der Glaube an Jesus erfordert es, ihm tagtäglich zu folgen, in den einfachen Handlungen, aus denen unser Tag besteht. »Es ist das Geheimnis Gottes, daß er leise handelt. Daß er nur allmählich in der großen Geschichte der Menschheit seine Geschichte aufbaut. Daß er Mensch wird und dabei von den Zeitgenossen, von den maßgebenden Kräften der Geschichte übersehen werden kann. Daß er leidet und stirbt und als Auferstandener nur über den Glauben der Seinigen, denen er sich zeigt, zur Menschheit kommen will. Daß er immerfort leise an die Türen unserer Herzen klopft und uns langsam sehend macht, wenn wir ihm auftun« (Jesus von Nazareth II, Freiburg im Breisgau 2011, S. 301f.). Der hl. Augustinus erklärt: »Es war nötig zu sagen: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, da doch nach der Erkenntnis des Weges, auf dem er geht, nur noch zu wissen übrig blieb, wohin er geht« (Tractatus in Ioh., 69, 2: CCL 36,500), und das Wohin, das Ziel ist der Vater. Für die Christen, für uns alle, besteht also der Weg zum Vater darin, uns von Jesus führen zu lassen, von seinem Wort der Wahrheit, und das Geschenk seines Lebens anzunehmen. Wir wollen uns die Einladung des hl. Bonaventura zu eigen machen: »Öffne also deine Augen, wende dein geistiges Ohr ihnen zu, löse deine Zunge und öffne dein Herz, damit du in allen Geschöpfen deinen Gott entdecken, hören, loben, lieben, verehren, verherrlichen und anbeten kannst« (Itinerarium mentis in Deum I,15).

Liebe Freunde, die Pflicht, Jesus Christus zu verkünden, der »der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6) ist, bildet die Hauptaufgabe der Kirche. Beten wir zur Jungfrau Maria, daß sie stets den Hirten und allen beistehe, die in den verschiedenen Ämtern die frohe Botschaft des Heils verkünden, damit sich das Wort Gottes ausbreite und die Zahl der Jünger immer größer werde (vgl. Apg 6,7).


Grußworte nach dem Regina Caeli

... auf italienisch: Liebe Brüder und Schwestern! Ich schließe mich der Freude der Kirche in Portugal über die Seligsprechung Sr. Maria Claras vom Kinde Jesu an, die gestern in Lissabon stattgefunden hat; und auch der in Brasilien, wo heute in São Salvador da Bahia Sr. Dulce Lopes Pontes seliggesprochen wird. Zwei Frauen des geweihten Lebens, in Instituten, die beide unter dem Schutz der Unbefleckten Empfängnis stehen! Gelobt seien der Herr und seine heilige Mutter!

… auf französisch: Voll Freude grüße ich die Pilger französischer Sprache. Erfüllt von der Begeisterung, die die Seligsprechung Papst Johannes Pauls II. der Kirche verliehen hat, lade ich euch ein, den Rosenkranz zu beten und dabei die lichtreichen Geheimnisse zu betrachten, wie er uns aufgefordert hat. Indem wir gemeinsam mit der Jungfrau Maria den Stationen der Sendung Christi folgen, werden wir fähig, wie sie die Liebe des Vaters zu sehen, die im Leben und in der Lehre seines Sohnes am Werk ist. Mögen auch wir Anbeter im Geist und in der Wahrheit sein und seine Zeugen werden! Ich segne euch und eure Familien von Herzen!

… auf englisch: Ich heiße alle englischsprachigen Besucher willkommen, die sich uns zu diesem Gebet des Regina Caeli anschließen. Besonders grüße ich die Teilnehmer am Kurs für Führungskräfte, den die Gemeinschaft »Sant’Egidio« organisiert hat; ich versichere sie meines Gebets für ihren Einsatz für die Verkündigung des Evangeliums und den Dienst an den Armen und Bedürftigen in ihren Heimatländern. In diesen Tagen trifft sich auch die vom Weltrat der Kirchen organisierte »Internationale ökumenische Friedenskonvokation « in Kingston, Jamaika. Die Konvokation ist der Höhepunkt eines zehnjährigen Programms zur Bekämpfung jeglicher Form von Gewalt. Wir wollen uns im Gebet diesem edlen Vorsatz anschließen und unseren Einsatz für die Beseitigung von Gewalt in den Familien, in der Gesellschaft und in der internationalen Gemeinschaft erneuern. Liebe Freunde, in der Freude dieser Osterzeit möge uns der auferstandene Herr stärken, ihm nachzufolgen und an seinem Leben teilzuhaben. Auf euch und eure Familien rufe ich Gottes reichen Segen herab.

… auf deutsch: Ganz herzlich heiße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Im Evangelium des heutigen Sonntags antwortet der Herr auf das Unwissen und die Richtungslosigkeit der Jünger mit der Zusicherung: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6). Er gibt ihnen damit mehr als einen Wegweiser und ein orientierendes Wort. Er begegnet ihnen als Person, der sie sich anvertrauen können. Auch uns lädt er ein, ihn in unser Leben und in unsere Welt einzulassen und aufzunehmen. Dann empfangen wir von ihm die Einsicht in das Wahre und in das Gute und die Anleitung zu einem wirklich gelungenen Leben. Ich wünsche euch allen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

… auf spanisch: Voll Zuneigung grüße ich die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, besonders die Gläubigen aus San Fernando de Henares. In dieser Osterzeit mahnt uns das Beispiel der Gemeinschaft der Apostel, der eigenen Berufung entsprechend durch Wort und Lebenszeugnis die Wahrheit Jesu Christi zu offenbaren. Das heutige Evangelium zeigt uns das Ideal der Diakone und all derer, die zum Dienst an der Gemeinde berufen sind: sich ganz vom Wort Gottes und der Liebe Jesu Christi durchdringen zu lassen, um mit guten Werken die Güte Gottes widerzuspiegeln. Einen gesegneten Sonntag!

… auf portugiesisch: Während ich die Pilger portugiesischer Sprache grüße, möchte auch ich mich der Freude der Hirten und Gläubigen anschließen, die in São Salvador da Bahia zur Seligsprechung von Sr. Dulce Lopes Pontes versammelt sind, die ein wunderbares Erbe der Nächstenliebe im Dienst der Geringsten hinterlassen hat, so daß ganz Brasilien in ihr »die Mutter der Verlassenen« sieht. Eine ebensolche Feier fand gestern auch in Lissabon statt, bei der Sr. Maria Clara vom Kinde Jesu in das Verzeichnis der Seligen eingeschrieben wurde; sie gründete die Hospitalfranziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis (Irmãs Franciscanas Hospitaleiras da Imaculada Conceição), die sie lehrte, der Schar von Armen und von der Gesellschaft Vergessenen »Licht und Wärme zu schenken «, indem sie in ihnen Gott selbst sehen und aufnehmen. Während ich der Fürsprache der neuen Seligen eure Familien und Gläubigen, ihre geistlichen Töchter und Schwestern sowie die kirchlichen Gemeinschaften von Lissabon und São Salvador da Bahia anempfehle, erteile ich euch von Herzen den Apostolischen Segen.

… auf polnisch: Einen herzlichen Gruß richte ich an die Polen. Ich schließe mich im Geist den Bischöfen, dem Klerus und den Gläubigen an, die heute Gott Dank sagen für die 850 Jahre der erzbischöflichen Stiftskirche der Heiligsten Jungfrau Maria und Königin und des hl. Alexius in Tum bei Leczyca. Ich segne euch alle von Herzen.

… auf italienisch: Herzlich grüße ich die Pilger italienischer Sprache, besonders die zahlreichen Firmlinge aus der Diözese Genua unter der Leitung von Kardinal Bagnasco. Ein Gedanke gilt dann der großen Gruppe der »Bewegung für das Leben«: Liebe Freunde, ich danke euch vor allem für den Einsatz, mit dem ihr den Frauen zur Seite steht, die mit schwierigen Schwangerschaften konfrontiert sind, sowie den Verlobten und auch den Eheleuten, die eine verantwortliche Elternschaft leben wollen; auf diese Weise wirkt ihr konkret für die Kultur des Lebens. Ich bitte den Herrn, daß auch dank eures Beitrags das »Ja zum Leben« Beweggrund der Einheit in Italien und in allen Ländern der Welt sei. Ich segne die Kinder in Begleitung der UNITALSI, die durch die Überwindung der Beschwerden der Krankheit Zeugen des Friedens werden. Ich spreche den Kranken und den ehrenamtlichen Helfern, die hier anläßlich der nationalen »Multiple-Sklerose-Woche« anwesend sind, Mut zu. Ich grüße die Mitglieder der »Istituzione Teresiana« zum 100. Jahrestag der Gründung der Vereinigung, die Gläubigen aus Saiano, Montegranaro sowie aus einigen Pfarreien Roms; die Schülergruppen aus Verona und die Kinder aus Torano Nuovo. Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche. Danke für eure Anwesenheit. Einen schönen Sonntag!

 

 

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