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BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast, Castel Gandolfo
Sonntag, 17. Juli  2011

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Gleichnisse des Evangeliums sind kurze Erzählungen, die Jesus gebraucht, um die Geheimnisse des Himmelreiches zu verkündigen. Durch die Verwendung von Bildern und Situationen des alltäglichen Lebens »will [der Herr] uns […] den eigentlichen Grund aller Dinge […] zeigen […] Er zeigt uns Gott […], den handelnden Gott, der in unser Leben hereintritt und uns an die Hand nehmen will« (Jesus von Nazareth I, Freiburg-Basel-Wien 2007, S. 232). Mit derartigen Reden lädt uns der göttliche Meister ein, vor allem den Primat Gottes, des Vaters, anzuerkennen: Wo Er nicht ist, kann nichts gut sein. Er ist eine für alles entscheidende Priorität. Himmelreich bedeutet eben Herrschaft Gottes, und dies will heißen, daß sein Wille als Leitkriterium unseres Daseins angenommen werden muß.

Das im Evangelium dieses Sonntags enthaltene Thema ist nun das Himmelreich. Der »Himmel« darf nicht allein im Sinn der uns übersteigenden Höhe verstanden werden, da ein derart unendlicher Raum auch die Gestalt der Innerlichkeit des Menschen besitzt. Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem Weizenacker, um uns begreifen zu lassen, daß in uns etwas Kleines und Verborgenes ausgesät ist, das nichtsdestoweniger eine ununterdrückbare Lebenskraft besitzt. Trotz aller Hindernisse wird sich der Same entfalten und die Frucht reifen. Diese Frucht wird nur dann gut sein, wenn der Boden des Lebens nach dem göttlichen Willen bestellt worden ist. Daher warnt Jesus im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24–43), daß nach der Aussaat durch den Gutsherrn, »während die Leute schliefen«, »sein Feind« dazwischengekommen ist und das Unkraut gesät hat. Dies bedeutet, daß wir bereit sein müssen, die am Tag der Taufe empfangene Gnade zu bewahren und weiter den Glauben an den Herrn zu nähren, der das Böse daran hindert, Wurzeln zu schlagen. In seinem Kommentar zu diesem Gleichnis merkt der hl. Augustinus an, daß »viele vorher Unkraut sind und dann zu gutem Weizen werden«, und er fügt hinzu: »Wenn sie, da sie böse sind, nicht geduldig ertragen werden würden, so würden sie nicht zum lobenswerten Wandel gelangen« (Quaest. septend. in Ev. sec. Matth., 12,4: PL 35,1371).

Liebe Freunde, das Buch der Weisheit – dem die heutige erste Lesung entnommen ist – stellt diese Dimension des göttlichen Seins heraus und sagt: »Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alle Sorge trägt … Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit, und deine Herrschaft über alles läßt dich gegen alles Nachsicht üben« (Weish 12, 13.16); und der Psalm 86 (85) bestätigt dies: »Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade« (V. 5). Wenn wir also Kinder eines so großen und gütigen Vaters sind, versuchen wir, ihm zu ähneln! Dies war das Ziel, das sich Jesus bei seiner Verkündigung setzte; er sagte nämlich zu jenen, die ihm zuhörten: »Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist« (Mt 5,48). Wenden wir uns vertrauensvoll an Maria, die wir gestern als Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel angerufen habe, damit sie uns beistehe, Jesus treu nachzufolgen und so als wahre Kinder Gottes zu leben.


APPELL

Mit tiefer Sorge verfolge ich die Nachrichten aus der Region am Horn von Afrika und besonders aus Somalia, das von einer sehr schweren Dürre sowie in einigen Gegenden auch von starken Regenfällen betroffen ist, die eine humanitäre Katastrophe verursachen. Zahllose Menschen fliehen vor dieser schrecklichen Hungersnot auf der Suche nach Nahrung und Hilfe. Ich spreche den Wunsch aus, daß eine verstärkte internationale Mobilisierung in die Wege geleitet werde, um diesen unseren Brüdern und Schwestern, die bereits hart geprüft sind und unter denen sich viele Kinder befinden, schnell Hilfeleistungen zukommen zu lassen. Alle Menschen guten Willens mögen es nicht an Solidarität und konkreter Unterstützung dieser leidgeplagten Bevölkerung fehlen lassen.

Nach dem Angelusgebet:

... auf französisch: Liebe französischsprachige Pilger, die Urlaubszeit bietet gewiß eine gute Gelegenheit zu kultureller und spiritueller Bereicherung. Durch den Besuch der unzähligen historischen Stätten und Denkmäler möget ihr die Schönheit dieses universalen Erbes entdecken können, das uns mit unseren Wurzeln verbindet! Achtet darauf, euch von dem hohen Ideal ansprechen zu lassen, das die Erbauer von Kathedralen und Abteien beseelte, als sie diese leuchtenden Zeichen der Gegenwart Gottes auf unserer Erde errichteten. Dieses Ideal möge zu dem euren werden, und der Heilige Geist, der auf den Grund des Herzens blickt, inspiriere euch dazu, an diesen Orten zu beten, indem ihr Dank sagt und für die Menschheit des dritten Jahrtausends Fürsprache haltet. Ich segne euch von Herzen, besonders die hier anwesenden Familien.

… auf englisch: Einen herzlichen Willkommensgruß entbiete ich den englischsprachigen Besuchern, die zu diesem Angelusgebet versammelt sind, einschließlich der Pilger aus Meath in Irland und aus Nazaret, der Heimat Jesu. Das heutige Evangelium ermutigt uns, den guten Samen des Wortes Gottes in unserem Leben Frucht tragen zu lassen und auf seinen geheimnisvollen Plan für das Wachsen des Reiches zu vertrauen. Wir wollen für eine reiche Ernte an Heiligkeit in der Kirche arbeiten und darum bitten, daß wir am Tag des Jüngsten Gerichts unter den Gerechten Christi gefunden werden. Auf euch alle rufe ich den reichen Segen des Herrn, seinen Frieden und seine Freude herab.

… auf deutsch: Ganz herzlich begrüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache. Im heutigen Evangelium vom Acker, auf dem Weizen und Unkraut nebeneinander wachsen, spricht Christus von der Güte und von der Langmut Gottes in dieser Zeit. Am Ende der Welt aber kommt es zur Scheidung: Die Ernte führt die Gerechten in sein Reich, die Bösen hingegen werden dem Gericht übergeben. Das Wort Jesu soll auch uns heute Mahnung sein, mit seiner Gnade immer mehr Weizen zu werden, damit sich der große Plan der Liebe Gottes an uns und an der Welt erfüllen kann. Der Herr segne euch alle.

… auf spanisch: Voll Zuneigung grüße ich die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, die bei diesem Mariengebet anwesend sind, sowie alle, die sich ihm über Rundfunk und Fernsehen anschließen. Die heutige Liturgie legt uns den gütigen und an Barmherzigkeit reichen Gott vor, der die Welt mit Weisheit regiert und dessen Geduld unermeßlich ist, während er dem Sünder die zur Umkehr notwendige Zeit gewährt. In diesen Tagen, die für viele eine Zeit der Ruhe sind, lade ich alle ein, ihr Herz für das Wort Gottes zu öffnen, um das Verhalten dessen zu lernen, der alles vermag, und um in unserem Leben die Größe seiner Liebe und Barmherzigkeit widerzuspiegeln. Dabei helfe uns die allerseligste Jungfrau Maria. Einen gesegneten Sonntag.

… auf polnisch: Ich heiße nun die Polen willkommen, die hier nach Castel Gandolfo gekommen sind. Ich grüße auch eure Landsmänner in Polen und in der ganzen Welt. Gestern haben wir den Gedenktag der Gottesmutter vom Skapulier (Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel) gefeiert. Das Skapulier ist ein besonderes Zeichen der Einheit mit Jesus und Maria. Für alle, die es tragen, ist es ein Zeichen der kindlichen Hingabe an die Obhut der Unbefleckten Jungfrau. In unserem Kampf gegen das Böse umhülle uns Maria, unsere Mutter, mit ihrem Mantel. Ich empfehle euch ihrem Schutz und segne euch von Herzen.

... auf italienisch: Schließlich grüße ich herzlich die Pilger italienischer Sprache, besonders die Gläubigen der Pfarrei »San Barnaba Apostolo« in Marino und jene der Pfarrei »Santa Maria degli Angeli« in Caraffa del Bianco sowie die Gläubigen aus Monteleone di Puglia. Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche. Danke, der Herr segne euch!

  

© Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana

 

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